quinta-feira, abril 03, 2008

Benny und die Hochbelastung


Benny und die Hochbelastung

Von unserem Redakteur Heribert Förster Walheim/Köln. Und wie sieht ein Hochbelastungstag bei Ihnen aus? Bei Benjamin Behrla folgendermaßen: 6.45 Uhr: Blutabnahme 7.00 Uhr: Frühstück 9.00 - 12.30 Uhr: Trainingswettkämpfe, wobei das Wort Training ein bisschen geschummelt ist; es geht in vier Kämpfen richtig rund auf der Matte 13.00 - 15.30 Uhr: Pause (manchmal auch inklusive unangemeldeter Dopingkontrolle, die dummerweise anderthalb Stunden dauern kann, wenn man kurz zuvor noch auf Toilette war . . .)

16.00 - 19.30 Uhr: Trainingswettkämpfe, wobei das Wort Training schon wieder ein bisschen geschummelt ist; es geht auch diesmal wieder vier Mal richtig rund auf der Matte.

Ein Hochbelastungstag im Leben des Benjamin Behrla.

Der 22-Jährige ist Judoka, einer der besten des Landes, speziell in der Gewichtsklasse bis 100 Kilogramm. Das kann und will er bei den Europameisterschaften am 13. April in Lissabon beweisen, und wenn der Hobbykoch, der als Einzelkämpfer für Hertha Walheim startet, mindestens Fünfter wird, hat er dem Deutschen Judo-Bund einen Startplatz in dieser Gewichtsklasse bei den Olympischen Spielen in Peking gesichert. „Und wer den Startplatz holt, der fährt auch“, ist sich Behrla sicher, dass er im Fall des Falles den Vorzug vor seinem Kontrahenten Michael Jurack erhalten würde. Ein gesundes Selbstbewusstsein zeichnet den 1,92 Meter langen Behrla ohnehin aus. Kleine Kostprobe: „Ich fliege nicht nach Lissabon, um Fünfter zu werden.

“ Was dem gebürtigen Emsdettener ein bisschen gefährlich werden könnte in Portugal: Die Aussicht auf Olympia, dass er überdreht. „Ich darf mich nicht so sehr darauf versteifen, muss meine Lockerheit behalten.

“ Benjamin Behrlas Leben – ist Judo. Und Judo, und Judo, und Judo. Zwei bis dreimal am Tag, 20 bis 25 Stunden pro Woche trainiert Behrla, der in der Bundesliga für die SU Witten-Annen antritt. „Ein Knüppelprogramm“, sagt er – und lächelt. Behrla, der beim Weltcup-Turnier in Hamburg vor ein paar Wochen Zweiter wurde und dabei dem japanischen Olympiasieger Keiji Suzuki ein Bein stellte, ist in seiner Gewichtsklasse ein besonderer Kämpfer. „Ich hab’ noch ein bisschen Untergewicht“, sagt der 96,- 97-kg-Mann, der auf der Matte ganz fix und konditionell bärenstark ist. Behrlas Besonderheit: Er ist Links- und Rechtskämpfer, kann sich also beidseitig dem Gegner stellen. Das ist auf der Judomatte noch seltener als ein Fußballer, der beidfüßig gleich gut schießt. „Zufall“ sei es gewesen, „es hat sich so ergeben“.

Und was fehlt Benny Behrla noch? Es ist schon vorgekommen, dass er gegen vermeintlich schwächere Gegner patzte, eine psychische Barriere aufgebaut hat. „Er kann sich eigentlich nur selbst schlagen“, sagt Oliver Rychter, Behrlas Trainer bei Hertha Walheim und Coach des Erstliga-Wiederaufsteigers. Fehlt vielleicht auch Erfahrung? Frank Wieneke widerspricht. „Man muss doch nicht alles auf die lange Bank schieben und Unerfahrenheit als Begründung anführen. Ich bin auch mit 22 Jahren schon Olympiasieger geworden!“

Wenn der Bundestrainer über seinen Schützling spricht, müsste Benny Behrla, der in Köln in einer Dreier-WG lebt, eigentlich rot werden. Er sei technisch gut, ein gewandter Kämpfer und „er hat einen exklusiven Kampfstil“. Exklusiv heißt: „Er macht oft überraschende Sachen.“ Aber mit Maßen, ein Draufgänger sei Behrla nicht. „Ihn zeichnet eine gesunde Mischung aus Risikobereitschaft und Erfahrung aus“, findet Wie-neke, der seinem Schützling zudem ein „gutes Gefühl in der Luft“ bescheinigt. „Er ist schwer zu werfen.“

Viel Lob, aber auch Kritisches hört der Bronzemedaillengewinner bei den U 23-Europameisterschaften 2006 vom Bundestrainer: „Benny soll nicht den zweiten Schritt vor dem ersten tun. Er soll sich ganz auf die Europameisterschaften konzentrieren und nicht an Olympia denken.“

Bei der EM wird Behrla auch von Oliver Rychter unterstützt, der seinem Schützling ausgezeichnete Techniken im Stand und auf dem Boden bescheinigt. „Damit kann er sehr, sehr viele Leute auf der Welt schlagen.“

So wie seine Kontrahenten bei den acht Kämpfen am Hochleistungstag. Der bei Behrla so endet: „Ab in die Badewanne und dann zwölf Stunden schlafen.“

Infos zum Walheimer unter: http://www.benny-behrla.de/

„Benny ist einer, der jeden auf der Welt schlagen kann.“ Bundestrainer Frank Wieneke über seinen Schützling

Behrla und die „SU Hertha Witten-Walheim“

Bei Turnieren heißt es: Benjamin Behrla von Hertha Walheim. In der Bundesliga heißt es: Benjamin Behrla von der SU (Sport-Union) Witten-Annen.

Beim Judo kann ein Kämpfer zwei Vereinen dienen, so dass es am 20. September zu der bizarren Situation kommen kann, dass Behrla im Bundesligakampf von Witten-Annen in Walheim vielleicht die Hertha-Niederlage besiegelt. „Am liebsten würde ich dann gar nicht auf die Matte gehen.“

Derzeit ist Behrla „Judo-Profi“, führt ab September aber nach einjähriger Auszeit seine noch sechs Monate dauernde Ausbildung zum Polizeimeister fort.

Bei der U 23-EM in Moskau gewann Behrla 2006 Bronze – obwohl ihm im ersten Trostrundenkampf die Kniescheibe rausgesprungen war! Beim Aufstehen und Auftreten sprang sie wieder rein, und Behrla beendete den Kampf unter großen Schmerzen siegreich. Mit einem „Bomben-tape“ von Physiotherapeutin Silke Kemmer ging er dann noch zweimal auf die Matte, siegte zweimal, durfte über Bronze jubeln – und wurde operiert.

(fö) (Quelle: AZ/AN vom 02.04.2008)

FONTE: Freestyle24 (Pressemitteilung) - Marburg,Germany

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